Patchworkfamilie: So gelingt das Zusammenleben

patchworkfamilie Patchworkfamilie: So gelingt das Zusammenleben

Die Patchworkfamilie ist nichts Ungewöhnliches mehr, denn mindestens jede zehnte Familie mit Kindern ist mittlerweile bunt zusammengewürfelt. Damit als Patchworkfamilie auch das Zusammenleben funktioniert, sollte jedes einzelne Familienmitglied einige Dinge beachten und als Einheit auftreten. Der folgende Bericht gibt dir nützliche Tipps, wie das Zusammenleben gelingt.

Was bedeutet Patchworkfamilie?

Wenn einer der beiden Elternteile mit einem neuen Partner eine Beziehung eingeht, wurde das früher Stiefmutter oder –vater genannt. Heute wird dies als Patchworkfamilie bezeichnet, die im Grunde genommen nichts weiter ist als eine neu zusammengewürfelte Lebensgemeinschaft. In diesem Fall bringt entweder die Mutter ihre eigenen Kinder in die neue Beziehung mit oder auch der Vater. In manchen Fällen leben ebenso die Kinder beider Elternteile in der Familie. Häufig kommen auch aus der neuen Beziehung noch gemeinsame Kinder dazu. Die Varianten einer Patchworkfamilie sind vielfältig. Doch immer gibt es wichtige Regeln, die das Zusammenleben erleichtern und harmonisch gestalten können.

Wie kommt ein Kind in einer Patchworkfamilie leichter zurecht?

Eine Patchworkfamilie bedeutet für das Kind ein neuer Erzieher, oftmals auch neue Freunde oder sogar eine neue Umgebung. Es ist wichtig, dass dem Ganzen ausreichend Zeit gegeben wird. Daher sollten am Anfang in die neue Familie keine zu großen Erwartungen gesetzt werden. Wer hier zu schnell darauf drängt, dass alles normal und harmonisch abläuft, überfordert damit oftmals die Kinder und letztendlich auch sich selbst und den Partner. Wichtig ist es, systematisch bei der Familienzusammenführung vorzugehen. Hier gilt es zu beachten, den optimalen Zeitpunkt zu finden, den neuen Partner den Kindern vorzustellen und zusammenzuziehen. Hier gibt es grundsätzlich keine Patentformeln. Es ist nur generell sehr wichtig, dem Kind ausreichend Zeit zu geben und es darauf vorzubereiten. Es wäre ein absoluter Fehler, wenn das Kind den neuen Partner erstmalig am Morgen im Bad trifft. Bevor dies so weit ist, sollten gemeinsame Ausflüge unternommen werden, um ihn auf diese Weise sehr behutsam in die Familie zu integrieren.

Das Kind langsam an den Partner gewöhnen

Schon bevor ein neuer Partner im Leben auftaucht, sollten die Eltern darauf achten, dass zunächst einmal die Trennung zwischen der Mutter und dem Kindsvater gut geregelt ist, wodurch sich für die neue Beziehung weniger Probleme ergeben. Das Kind sollte die Möglichkeit erhalten, zu beiden Elternteilen eine gute Beziehung zu haben und aufrechterhalten zu können. Es sollte keine Angst haben müssen, aufgrund des neuen Partners einen der beiden Elternteile zu verlieren.

Folgende Tipps können helfen:

  • Dem Kind sollte nicht sofort von der neuen Beziehung erzählt und stattdessen der neuen Partnerschaft zunächst Zeit gegeben werden, um zu prüfen, ob die neue Beziehung ernsthaft wird. Erst dann ist es sinnvoll, das Kind an den Partner zu gewöhnen.
  • Das erste Zusammentreffen zwischen Kind und neuem Partner sollte möglichst locker sein. Hier bietet sich eine gemeinsame Unternehmung an, die allen Spaß macht, beispielsweise ein Zoo- oder Kinobesuch, ein Picknick, ein Konzert etc. Dabei ist es möglich, einen ungezwungenen Zugang zueinander zu finden und vielleicht sogar zu entdecken, dass gleiche Interessen bestehen. Der neue Partner kann anfangs auch als Freund vorgestellt werden.
  • Der Partner sollte nach dem ersten Kennenlernen häufiger an Familienaktivitäten teilnehmen und später auch bei alltäglichen Dingen, beispielsweise dem gemeinsamen Abendessen. Dies dient dem Ziel, dass das Kind den neuen Partner anfangs eher als Gast betrachtet und sich langsam an ihn gewöhnen kann, anstatt es sofort auf eine Patchworkfamilie ausgeht.
  • Die gemeinsame Zeit mit dem neuen Partner bedeutet für das Kind auch weniger Aufmerksamkeit, wodurch eine Eifersucht des Kindes völlig normal ist. Es ist wichtig, dem Kind zu zeigen, dass es noch genau so geliebt wird wie vorher. Bestehende Rituale, beispielsweise eine Gute-Nacht-Geschichte vor dem Einschlafen, sollten weiterhin gepflegt werden.
  • Es ist wichtig, dass der neue Partner zum Kind eine eigenständige Beziehung aufbaut. Ob basteln oder zusammen fernzusehen, vielleicht teilen beide ja gemeinsame Interessen und können auf diese Weise eine persönliche Beziehung zueinander aufbauen.

Jedes Kind reagiert auf eine Patchworkfamilie anders

Bei Säuglingen oder kleinen Kindern ist insbesondere die Hauptbezugsperson sehr wichtig. Wenn das Kind danach bei dieser bleibt, kann es meistens besser mit der Trennung umgehen. Kinder, die bereits in den Kindergarten oder in die Schule gehen, brauchen gewöhnlich mehr Zeit, um sich mit der Trennung der Eltern abzufinden. Häufig kommt noch dazu, dass sie glauben, sie selber seien schuld daran, dass sich die Eltern getrennt haben. In einer Patchworkfamilie werden diese Schuldgefühle oftmals auf den Partner übertragen, wodurch mit Zorn, Wut und Eifersucht reagiert wird. Diese Reaktionen sollte der neue Partner nicht persönlich nehmen und dem Kind stattdessen Zeit geben, sich an die ungewohnte und neue Situation zu gewöhnen. Dies kann eine Weile dauern. Kinder im Alter von sechs bis zwölf haben es in einer Patchworkfamilie am schwersten. Mit ihrem „Ersatzpapa“ oder der „Ersatzmama“ geraten sie häufig in einen Loyalitätskonflikt. Verstehen sie sich mit dem neuen Partner gut, fühlen sie sich wie ein Verräter. Es ist wichtig, dass der neue Partner nicht versucht, dem Kind Vater oder Mutter zu ersetzen, sondern dass er mit dem Kind eher eine respektvolle Freundschaft aufbaut.

Deine Kinder – meine Kinder: Wie Patchwork-Familien eine stabile Gemeinschaft werden

In diesem Buch werden die Risiken und die Chancen erläutert, die in einer Patchworkfamilie auftreten können und konkrete Ratschläge und Tipps für ein gelungenes Zusammenleben in einer Patchworkfamilie gegeben.

Wenn neue Geschwister in der Patchworkfamilie dazu kommen

Beide Partner bringen häufig ihre Kinder mit. Es ist wichtig, mit dem Kind über die Ängste und Befürchtungen zu sprechen und dem Kind das Gefühl zu geben, dass es genauso geliebt wird, wie es vorher der Fall war und dass dies auch nie anders sein wird. Anfangs wird die neue Schwester oder der neue Bruder vielleicht als Konkurrent angesehen. Dies kann zu einer Eifersucht führen. Daher sind Reden und Liebe sehr wichtig. In einer Patchworkfamilie ändert sich alles. War das Kind vorher vielleicht Einzelkind, muss nun plötzlich vieles geteilt werden. Alle Kinder, die in der Patchworkfamilie leben, sind gleich wichtig und keines wird bevorzugt. Die Beziehung zu seinem eigenen Kind ist natürlich enger, doch gerade deshalb ist viel Fingerspitzengefühl nötig, dass sich niemand vernachlässigt fühlt. Eine weitere Herausforderung ergibt sich in der Patchworkfamilie, wenn die neuen Partner ein gemeinsames Kind erwarten. Für ein Kind ist es nie leicht zu verstehen, wenn ein Geschwisterchen kommt und die Liebe der Eltern nun geteilt werden muss. Auch hier ist es wieder sehr wichtig, dem Kind die Liebe zu zeigen und ihm immer wieder zu sagen, dass es genauso wichtig wie vorher ist.

Wie wird die Erziehung in einer Patchworkfamilie aufgeteilt?

Jeder hat seinen eigenen Erziehungsstil. Doch nun müssen die Kompetenzen in der Patchworkfamilie zwischen den Partnern neu und gut aufgeteilt werden. Es ist ratsam, dass sich alle auf gemeinsame Regeln einigen, beispielsweise in Bezug auf die Ordnung, Pünktlichkeit, Übernahme von Arbeiten im Haushalt etc. Damit ist die Basis erst einmal geschaffen und grundlegende Probleme werden vermieden.

Wichtige Regeln, damit das Zusammenleben in einer Patchworkfamilie klappt:

  • Bevor die Patchworkfamilie zusammengeführt wird, ist es wichtig, die alte Partnerschaft vernünftig zu beenden und klare Verhältnisse für die neue Beziehung zu schaffen, denn eine Patchworkfamilie bedeutet, dass viel an Energie, Zeit und Emotionen investiert werden müssen.
  • Es sollten keine zu hohen Erwartungen gestellt werden und vor allem allen Beteiligten genügend Zeit für die Umgewöhnung gegeben werden.
  • Die neue Situation könnte zu Beginn Probleme schaffen. Dies ist völlig normal und kann sich geben, wenn sich alle Familienmitglieder mit der Situation angefreundet haben.
  • Es ist wichtig, dass in einer Patchworkfamilie nichts überstürzt wird. Vor der Familienzusammenführung müssen sich alle zunächst einmal langsam und gründlich kennenlernen. Dabei muss geprüft werden, ob ein Zusammenleben überhaupt möglich ist.
  • Alle Beteiligten sollten in die Planung mit einbezogen werden. Dies gilt auch für die Kinder, denn diese haben ebenso ihre Wünsche, Vorstellungen und Meinungen. Nicht alle Vorstellungen können vielleicht berücksichtigt werden, doch es ist wichtig, dass sich insbesondere die Kinder ernst genommen fühlen.
  • Kinder brauchen grundsätzlich beide Elternteile. Der Kontakt zum anderen Elternteil darf keinesfalls vernachlässigt werden. Auch wenn der Organisationsaufwand in einer Patchworkfamilie oftmals sehr hoch ist, muss der Kontakt zum anderen Elternteil für das Kind unbedingt hergestellt werden.
  • Vermischen sich in der Patchworkfamilie verschiedene Kinder von unterschiedlichen Partnern, ist es sinnvoll, das Familienleben in einer neuen Wohnung zu starten. Dadurch wird erreicht, dass für alle Familienmitglieder eine gleiche Ausgangsbasis geschaffen wird und keiner im Vorteil ist.
  • Es ist von Anfang an sehr wichtig, sich über die Erziehungsmethoden zu einigen, denn dies gehört zu den häufigsten Streitthemen einer Patchworkfamilie. Ebenso unverzichtbar ist es, dass alle Kinder gleich behandelt werden, sich niemand vernachlässigt fühlt und dass sich beide Elternteile einig sind und eine gleiche Linie fahren. Wenn dies nicht der Fall ist, das spüren Kinder sehr schnell und spielen in diesem Fall gern mal die Eltern gegenseitig aus.
  • Verletzende Aussagen der Kinder sollten nicht zu persönlich genommen werden. Vieles wird nur aus Zorn gesagt, beispielsweise sagen Kinder gern zum neuen „Vater“, dass er ihnen nichts zu sagen hat, da er nicht ihr Vater sei. Kinder versuchen sich aufgrund von Loyalitätskonflikten gegenüber dem leiblichen Elternteil durch solche Äußerungen nur abzugrenzen und zu schützen. Vertrauen braucht Zeit. Diese sollte dem Kind gegeben werden.

Sehr empfehlenswert ist folgendes Buch:

Das Patchworkfamily-Notfallbuch

Das Patchworkfamilien Notfallbuch enthält wertvolle Tipps, wie mit den emotionalen Konflikten am besten umgegangen werden kann, um sie in eine positive Bahn zu lenken und zu meistern. Zudem werden die Perspektiven von allen Familienmitgliedern unter die Lupe genommen, um auch den anderen besser verstehen zu können.

Fazit

Zwei Familien harmonisch zu einer Patchworkfamilie zusammenzuführen, dies ist häufig eine schwere und langwierige Aufgabe. Hierbei sind viel Geduld und Engagement erforderlich. Diese Zeit sollte allen Beteiligten gegeben werden. Gelingt es jedoch, diese Situation gut zu meistern, können alle Familienmitglieder gut miteinander auskommen und zusammen leben. Zudem können die Kinder aufgrund der vielen Bezugspersonen große soziale Kompetenzen entwickeln.

Über Der Visionär (194 Artikel)
Mario Radivojev (Der Visionär) ist im Jahre 1989 geboren worden. Er ist diplomierter Werbegrafiker und Gründer einer Internetagentur mit Schwerpunkten in der Markenbildung (Corporate Design) und einer zukunftsorientierten Webentwicklung profiliert er sich in der heutigen internetlastigen Zeit, des Weiteren ist er auch mit den Herausforderungen des Online-Marketings vertraut. Das Bloggen hat schon seit geraumer Zeit einen hohen Stellenwert in seiner Freizeitgestaltung. Sein Ziel ist es, den Lesern Wissen in einer leicht verständlichen Schreibart weiterzugeben.

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