Egozentrisch sein – was bedeutet das genau?

Egozentrisch
@ Pixabay / joaogbjunior
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Viele Menschen werden als egozentrisch bezeichnet. Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter dem Begriff? An welchen Merkmalen erkennt man Egozentriker und wie kann man beruflich oder privat am besten mit ihnen umgehen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der folgende Bericht.

Bist du egozentrisch?

„Nein, das bin ich nicht!“ werden nun die meisten sagen. Häufig wird es wahrscheinlich stimmen, und in vielen Fällen weiß man nicht, was genau einen Egozentriker ausmacht. Sich über die anderen zu erheben, sich höher zu stellen, ganz gleich in welcher Form, ist ein typisches Zeichen für einen Egozentriker. Doch nur in den seltensten Fällen würden sie sich selbst als solche selbst erkennen und sich damit brüsten. Egozentriker sind entweder unfähig oder nicht bereit, zwischen sich selbst und anderen zu unterscheiden. Es gelingt ihnen nicht, eine andere Perspektive zu sehen, verstehen und anzunehmen. Wie die lateinische Herkunft des Namens „ego“, mit der Bedeutung „Ich“ und „centrum“ (Mittelpunkt auf Deutsch) schon erklärt, stellen sie sich selbst in den Mittelpunkt.

Die Mitmenschen werden vom eigenen Standpunkt heraus betrachtet, bis zu einem gewissen Alter ist so ein Verhalten vollkommen normal und Teil der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung. Erst ab durchschnittlich sieben Jahren gelingt den jungen Kindern, sich stetig in die Lage der anderen zu versetzen, andere Sichtweisen einzunehmen und Geschehnisse nicht ausschließlich auf sich zu beziehen und egozentrisch zu bewerten. Für diese Entwicklung sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Neben dem Charakter spielen die Liebe und der Umgang der Eltern mit dem Kind eine wesentliche Rolle, hier ist die Balance zwischen ausreichend Liebe und Fürsorge für ein gesundes Selbstwertgefühl und die übertriebene Fürsorge und Behütung sehr wichtig.

Weitere Faktoren sind der Umgang mit der Umwelt und diverse Konfliktsituationen und wie sie gelöst oder nicht gelöst werden. Viele Menschen reagieren in bestimmten Situationen egozentrisch und in anderen nicht. Hierbei darf Egozentrik nicht mit Egoismus verwechselt werden. Egoisten (hierbei unterscheidet man zwischen gesunden und negativen Egoisten) handeln aus der Motivation heraus, sich einen eigenen Vorteil zu verschaffen, sie können sich dabei sehr wohl in andere hineinversetzen und andere Perspektiven betrachten. Gesunder Egoismus gilt bis zu der Grenze, sich selbst zu schützen und „genügend“ bzw. ausreichend zu bekommen, negativer Egoismus geht darüber hinaus und beginnt dort, wo man zu viel will und bewusst keine Rücksicht mehr auf andere mehr nimmt.

Sehr ähnlich, meistens jedoch nicht bewusst, ist das Verhalten eines Egozentrikers. Hier fehlt es an einer gesunden Selbstreflexion, so wie Empathie und Sympathie für andere Menschen. Dementsprechend werden sie vom Egozentriker bewertet. Es fällt ihnen schwer, die Sichtweise eines anderen Menschen zu akzeptieren oder einzunehmen. Sie beziehen meist alles, was um sie herum geschieht, auf sich persönlich. Es bringt daher meist nicht viel, mit einem Egozentriker zu diskutieren und auf Meinungsverschiedenheiten einzugehen. Egozentriker sehen es als persönlichen Angriff gegen sie selbst an. Rationale Erklärungen bringen meist nichts.

Egozentrisch sein – die Betroffenen selbst merken es nicht

Egozentriker sehen sich selbst nicht als solche, da ihr Verhalten und ihre Denkweise in der übersteigerten Selbstdarstellung normal sind. Das Umfeld ist häufig betroffen davon, denn der Egozentriker hat stets das Bedürfnis, zu zeigen, dass er der Beste ist. Dies kommt natürlich beim Gegenüber nicht immer gut an. Dabei gibt es viele Facetten, egozentrisch zu sein. Sie sind sehr mit sich selbst beschäftigt und lauschen ihrer inneren Stimme. Diese ist lauter und wird eher angenommen, als die Meinung des Umfelds.

Sie hinterfragen nicht, ob der Standpunkt des anderen vielleicht stimmen möge. Zu sehr steht ihre eigene Meinung im Vordergrund und Mittelpunkt. Egozentriker bewerten alles stets und ständig. Sie können nicht anders, da sie sich sonst nicht orientieren können. Es fällt ihnen schwer, zu fühlen und Situationen auf der Gefühlsebene wahrzunehmen. Egozentriker orientieren sich über ihren Verstand. Sie leben in einer kleinen Welt des Intellektes. Aus dieser auszubrechen, gelingt ihnen nicht. Sie können keine Verbundenheit, Vertrauen oder Liebe aufbauen.

Egozentrisch sein – wo liegen die Ursachen?

Zunächst einmal ist es absolut normal, dass jeder die Dinge aus der eigenen Perspektive sieht. Doch es ist auch wichtig, den Blickwinkel in bestimmten Situationen zu ändern und zu versuchen, die Position anderer einzunehmen. Doch dies gelingt Egozentrikern nicht. Egozentrik darf nicht mit Egoismus verwechselt werden, denn am häufigsten wird sie bei Menschen beobachtet, die sich selbst, auch wenn es nicht so scheint, ablehnen. Es wird vermutet, dass es oftmals der Ersatz für Eigenliebe ist.

Die Ursachen liegen sehr oft in der Kindheit: Wenn die Betroffenen als Kind von den Eltern kaum wahrgenommen wurden, kompensieren sie dies im späteren Leben dadurch, egozentrisch zu sein. Egozentrik kann aber auch die Folge einer Überbehütung in der Kindheit sein, wenn das Kind kein gesundes Selbstbewusstsein entwickeln konnte. Zu einer egozentrischen Persönlichkeitsentwicklung kann das Umfeld ebenso sehr stark beitragen, vor allem, wenn Kinder und jugendliche von gleichaltrigen gehänselt werden, missachtet und durchgehend abgelehnt werden.

Für Eltern und Pädagogen sind solche Situationen stets eine große Herausforderung und stellen Probleme dar, die sich meist ohne professionelle Unterstützung nicht lösen lassen. Hierbei fällt es den Eltern selten oder nur schwer auf, dass sich ihr Kind zu einem Egozentriker entwickelt. Bei den ersten Anzeichen dafür, sollte man sich am besten auf fachkundige Experten wenden und falls notwendig, rechtzeitig entsprechende Maßnahmen setzen. Wer glaubt, Egozentriker führen ein leichtes Leben, der irrt. Tatsächlich ist egozentrisches Verhalten für die betroffenen selbst sehr belastend und kann sich zu ernsthaften psychischen Störungen und Krankheiten entwickeln.

Egozentrisch – was dagegen tun?

Egozentriker nehmen oftmals keine Hilfe an, da sie glauben, diese nicht zu brauchen. So führt es dazu, dass sie sich von den anderen verkannt fühlen. Sie glauben, dass sie keiner schätzt, was oftmals zu einem Groll gegenüber den Mitmenschen führt. Das geringe Selbstwertgefühl soll durch Lobe und Anerkennung von anderen ausgeglichen werden.

Ganz besonders schwierig wird es meist, wenn die Leistung von Kollegen abgewertet wird, dann neigen Egozentriker dazu, die eigenen Fähigkeiten über zu bewerten und hervorzuheben. Dies stößt natürlich nicht auf Nächstenliebe, sondern stellt eher vor Probleme. Egozentrik gehört zu den Persönlichkeitsmerkmalen, die eher unangenehm auffallen, denn sie signalisiert wenig Teamfähigkeit. Mit seiner Egozentrik umzugehen und sie abzulegen, ist stets eine Frage der Selbstreflexion. Eine Therapie kann dabei helfen, das eigene Selbstwertgefühl zu erlernen.

Welche Folgen kann es haben, egozentrisch zu sein?

Es ist ratsam, sich Hilfe zu holen, denn oftmals leiden sehr egozentrische Menschen selbst darunter, vor allem dann, wenn sich Partner, Familie oder Freunde von ihnen abwenden und distanzieren. Ohne Behandlung kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen, häufig flüchten Betroffene zum Konsum von Alkohol oder Drogen, vor allem dann, wenn Erfolg und Anerkennung ausbleiben, womit Egozentriker nicht klarkommen.

Sie haben es meistens selbst nicht leicht, denn einerseits suchen sie Liebe und Geborgenheit, andererseits versuchen sie krampfhaft, sich zu behaupten und sich als das Beste in den Mittelpunkt zu stellen. Die verzweifelte Suche nach äußerer Bestätigung verlangt ihnen sehr viel Kraft ab und kann zu Erschöpfungszuständen führen. Wenn ihre Kampfkraft nachlässt, beginnen sie häufig zu resignieren, was in einer Depression enden kann. Manchmal werden sie von allein geheilt, wenn die Einsamkeit sie zermürbt und zum Nachdenken anregt, ein Schicksalsschlag oder eine Krankheit ihr Herz erweicht.

Viel Geduld und ausreichende, ehrliche Gespräche können die Betroffenen ebenso dazu anregen, zu einer anderen Selbstwahrnehmung zu gelangen und einsichtig an sich selbst zu arbeiten und sich von den egozentrischen Denkweisen, Einstellungen und Handlungen abzuwenden und ein gesundes Selbstwertgefühl zu entwickeln, sich selbst und seinem Umfeld ein angenehmeres Miteinander zu ermöglichen. Ist der Egozentrismus sehr stark ausgeprägt und eventuell von anderen kritischen Charaktereigenschaften begleitet, durch enorme Traumata und negative Erlebnisse herbeigeführt, dann ist eine Psychotherapie auf jeden Fall die bessere und effektiver Methode, Ruhe und Ausgeglichenheit zu erlangen und sich helfen zu lassen.

Fazit

Wer egozentrisch ist, zeigt keine bzw. nur sehr schwer Gefühle wie Sympathie, Mitleid oder Verständnis gegenüber anderen. Dazu sind die Betroffenen nicht in der Lage, sodass ihnen oftmals kein Vorwurf daraus gemacht werden kann. Sie möchten sich immer im Rampenlicht und Mittelpunkt befinden und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Sie benötigen andere zur Befriedigung ihrer eigenen Bedürfnisse.

In Gesprächen zwingen sie ihren Gesichtspunkt häufig anderen auf und versuchen meist krampfhaft Recht zu behalten. Sie können sich meist nicht in andere hineinversetzen und die Perspektive anderer nicht verstehen. Für jemanden, der egozentrisch ist, ist seine eigene Meinung die einzig richtige. Egozentriker haben eine sehr eingeschränkte Wahrnehmung.

Sie sind nicht in der Lage, andere Dinge als richtig anzusehen. Egozentriker sehen die Realität nicht, da sie nur von ihrem Blickwinkel aus alles betrachten können. Wenn Egozentriker ihr eigenes Problem nicht erkennen, ist es schwer, ihnen zu helfen. Selbstreflexion ist daher ein sehr wichtiger Faktor. Egozentrik kann stark ausgeprägt sein, sodass von einer psychischen Störung gesprochen wird und eine Therapie erforderlich sein kann.

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Über Der Philosoph 1048 Artikel
Darko Djurin (Der Philosoph) wurde am 04.05.1985 in Wien geboren. Er ist diplomierter Medienfachmann und Online Social Media Manager. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Musik Produktion, Visual Effects, Logo- & Webdesign, Portrait und Architekturfotografie und SEO – Suchmaschinenoptimierung. Seine Leidenschaft zum bloggen entdeckte er vor 12 Jahren. Der neue Mann ist nicht nur ein Projekt für ihn vielmehr sieht er es als seine Berufung seine Denkweise und Meinung auf diese Art kundzutun.

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