Leserbrief: Wenn die Eltern die Freundin nicht mögen?

Wenn die Eltern die Freundin nicht mögen?
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Leserbrief: Anonym

Vielen Dank für eure große Themenauswahl die Ihr an den Tag legt. Seit langem verfolge ich eure Berichte mit großem Interesse. Eure Themen sind meist sehr interessant.  Man freut sich schon auf den nächsten Artikel.

Neulich in meiner Männerrunde hatten wir das Thema „Beziehung Partnerin und unsere Eltern“. Manche Frauen verstehen sich prima mit ihren Schwiegereltern manche gar nicht. Ich habe bemerkt, dass die Männer dessen Frau sich nicht mit den Eltern verstehen oft in einem Konflikt stehen. Einerseits möchten sie seiner Frau, aber auch den Eltern loyal sein. Es kommt nicht selten vor, dass dies zum Streitthema wird. Die Frau fühlt sich dadurch meist vernachlässigt. Man wird im inneren dann vor die Wahl gestellt. Manche Männer vertreten die Meinung, dass die Eltern vorgehen. Man soll schließlich Mutter und Vater ehren, oder „sie haben dir schließlich das leben geschenkt“! Ich teile diese Meinung nicht. Schließlich fällen wir beide als Paar Entscheidungen. Bei mir kommt zuerst meine Frau, dann die Kinder, dann die Eltern.

Leider konnte ich den Männern keine klare  Lösung bieten wie man mit diesem Konflikt am besten umgeht. Bzw. wie man sich beiden Parteien gegenüber loyal richtig verhält. Eine Seite wird immer verletzt oder derjenige der dazwischen steht ist der Leidtragende.

Welchen guten Rat kann man demjenigen geben der zwischen zwei geliebten Fronten steht?

Lieber XY!

Danke dass Du diese spannende und vor allem auch gar nicht so seltene Frage mit uns teilst! Freilich kann man hier keine allgemeingültigen Aussagen treffen, jedoch werde ich versuchen, Dir ein paar Anregungen zu geben:

Viele Möglichkeiten

Du schreibst vom Konflikt zwischen der Partnerin und den Eltern. Grundsätzlich bin ich ja geneigt, Dir und Deiner Meinung das Wort zu reden. Ich würde also aus dem Bauch heraus sagen, dass Deine Beziehung den Vorrang vor allfälligen Animositäten des Elternhauses haben sollte, doch…. ganz so einfach ist es ja auch nicht immer.

Ich rede jetzt nicht, oder nicht nur von kulturellen Prägungen, von Erziehung und diversen Abhängigkeiten. Nein, ich rede von völlig verständlichen und alltäglichen Konfliktsituationen, welche in der Praxis der Beratung und Mediation vorkommen können.

Ja, es ist möglich, dass die Familie die Begeisterung bezüglich der neuen Freundin nicht teilt. Muss sie ja auch nicht, es ist ja schließlich Deine Freundin, nicht die Freundin Deiner Eltern. Aber, es macht freilich schon auch einen kleinen Unterschied, ob es sich um eine vorübergehende Beziehung handelt oder um deine eine Frau für´s Leben.

Ob sich die Familie mit ersterer nicht anfreunden kann, sorgt kurzfristig für innerfamiliäre Verstimmungen, die wohl als „äußerer Feind“ die Beziehung wahrscheinlich sogar intensivieren können.

Jeder kennt´s

Ehrlich gesagt, ich nehme an, dass fast jeder von uns einmal eine entsprechende Situation schon erlebt hat. Wenngleich man (insbesondere mit vielen Jahren Abstand) oftmals die Reaktion der Eltern nachvollziehen kann, so treibt einen die Zerrissenheit zwischen Elternhaus und geliebter Freundin fast in den Wahnsinn. Seien wir ehrlich, das hat doch auch seinen Reiz, oder?

Hier also würde ich eher der Beziehung das Wort reden, möge der Konflikt das Feuer der Beziehung noch anfachen.

Die andere Seite der Medaille

OK, das ist halt nur die eine Sichtweise, die eine Seite der Medaille. Doch ist die Thematik dermaßen vielschichtig, dass wir es nicht dabei belassen können. Vielmehr möchte ich gerne auch eine andere Seite beleuchten, jene einer langfristigen und erfüllten Beziehung, vielleicht sogar einer Ehe. Passt alles, rufen Herz, Bauch und Hirn im Chor „JA“, dann stehen die Aussichten bestens. In diesem Fall stellt sich auch die Frage nicht mehr, ob die Eltern und sonstigen Verwandten die Partnerin akzeptieren.

Einmal abgesehen davon, dass die Eltern sich schon grundsätzlich nicht in die Beziehung der Kinder einmischen sollten, sie machen es halt nun einmal mit garantierter Verlässlichkeit immer und immer wieder. Konflikte sind hier aber vorprogrammiert. Nicht dass man diese dann vorwerfen sollte, sie sind schlicht da. Und dann so nötig wie ein Pflasterstein beim Brustschwimmen. Streitereien zu Weihnachten, zu Geburtstagen oder anderen Feiertagen  schaden dann in erster Linie der Beziehung. Dies gilt es schlicht zu bedenken.

Die „Eine“

Eine auf Dauer angelegte Beziehung sollte sich nicht mit diesen Querschüssen beschäftigen müssen. Hier gibt es freilich Möglichkeiten. Nicht nur das Glück, die perfekte Partnerin gefunden zu haben ermöglicht eine konfliktfreie Zukunft. Selbst wenn aufgrund von schlechten Erfahrungen der Eltern, aufgrund von Vorurteilen oder schlicht Irrtümern die Eltern nicht sofort Zustimmung signalisieren, so zahlt es sich aus, der vordergründigen Ablehnung mit Engagement entgegenzuarbeiten.

Bedenkt, wie lästig, wie enervierend jene ewigen Sticheleien sein können. Bei der richtigen zahlt es sich aus, um eine gute  Chemie zwischen Stammfamilie und Partnerin zu kämpfen.

Versucht herauszufinden, wo das Problem der Eltern liegt und lasst Euch dabei nicht mit Floskeln „wir wollen ja nur das Beste für Dich“ oder „Vertrau uns einfach“ abspeisen.

Denk immer dran, es geht hier weniger um Dich, sondern vielmehr um Deine Zukunft. Ihr bist Du es schuldig, Dich mit Deinen Eltern zum Wohle Deiner Beziehung auseinander zu setzen. Auch die „Kollateralvorteile“, also jene Informationen und Erzählungen die Du im Rahmen dieser Unterhaltung gewinnen wirst, werden Dich weiter bringen.

Für etwas kämpfen, nicht gegen jemanden

Es zahlt sich aus für die „eine“ Beziehung zu kämpfen. Doch muss dieser „Kampf“ nicht unbedingt gegen jemanden, im konkreten Fall nicht gegen die Eltern geführt werden. Vielmehr kann er für eine gelingende Zukunft geführt werden. Wenn wir schon einen Widerpart konstruieren müssen, dann wohl den Konflikt an sich, das Missverständnis zwischen Euch als Paar und den Eltern. Diesen Konflikt zu beseitigen stärkt alle Beteiligten und vor allem Dich und Deine Freundin.

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Über Der Mediator 3 Artikel
Mag. Ulrich Wanderer ist selbständiger Mediator und Jurist in Familienberatungsstellen. Er hat sich als Jurist auf den Bereich des Familienrechts spezialisiert, als Mediator unterstützt er die Konfliktlösung in den Bereichen Familie, Erbschaft, Nachbarschaft und Arbeitsplatz in Wien, Niederösterreich und Kärnten. Mag. Wanderer ist Gastvortragender an der Universität Wien sowie an der FH Kärnten und trägt regelmäßig zu Themen des Familien-/Erbrechts sowie zu Fragestellungen der Mediation vor. Wanderer ist Herausgeber des "Handbuch Mediation" (WEKA-Verlag), Autor mehrerer Bücher und zahlreicher Fachpublikationen. Als Initiator der "MännerAnlaufstelle bei SchwangerschaftsKonflikten MASK" www.ichwerdevater.at unterstützt er Männer, die mit der Nachricht der Schwangerschaft der Partnerin konfrontiert sind.

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