Das Gender-Paradoxon: wie Gleichstellungspolitik Frauen verweichlicht

Gender-Paradoxon
Das Gender-Paradoxon: wie Gleichstellungspolitik Frauen verweichlicht

Was ist ein Paradoxon? Das Wort findet seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet so viel wie „Wider Erwarten“. Ein Paradoxon trägt demgemäß nicht zwangsläufig das Stigma des Unlogischen. Denn ob etwas paradox ist, erweist sich letztlich als eine Frage der reinen Erwartung.

Das sogenannte „Gender Equality Paradoxon“ ist ein solch unerwartetes aber bei näherem Besehen nicht unlogisches Phänomen. Dieses Paradoxon benennt den folgenden Sachverhalt:

Die westlichen Industriestaaten – allen voran die skandinavischen – betreiben seit Jahrzehnten leidenschaftliche Gleichstellungspolitik. Und dennoch ist das geschlechtsspezifische Berufswahlverhalten in diesen Staaten weit stärker ausgeprägt als in solchen Ländern, in denen weniger oder keine Gleichstellungspolitik betrieben wird. Je mehr für Gleichstellung getan wird, desto stärker finden sich demnach Frauen in typischen Frauenberufen und Männer in klassischen Männerberufen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, dem sei der schwedische Autor Nima Sanandaji empfohlen, der dieses Phänomen in einem Buch aufgearbeitet hat. Diese Abhandlung trägt sodann auch den treffenden Titel „The Nordic Gender Equality Paradox“.

Nichtsdestotrotz stößt der Autor nicht auf die erhofften klärenden Antworten, da er nicht die richtigen Fragen stellt. Er schickt sich an, einen mutmaßlichen Widerspruch zu ergründen, statt zunächst seine eigene Erwartung zu prüfen. Denn – wie gesagt – ist ein Paradoxon nicht zwangsläufig etwas Unlogisches, sondern zunächst eine Erkenntnis „wider Erwarten“.

Die nicht nur von Sanandaji unerkannte Wahrheit ist: Zeitgenössische Gleichstellungspolitik verfestigt tradierte Geschlechternormen statt sie aufzulösen. Was einige als Paradoxon bezeichnen, ist in Wirklichkeit eine natürliche und logische Folge eben jener Gleichstellungspolitik wie wir sie kennen.

„Gleichstellungspolitik verfestigt tradierte Geschlechternormen“

Streiten-Mann-Frau

Gleichstellungspolitik wird bis heute maßgeblich als Frauenförderung verstanden. In vielen deutschen Landesgesetzen etwa kondensiert dies konkret in der speziellen Rolle der Gleichstellungsbeauftragten. Die meisten Landesgesetze sprechen zwar von der „Gleichstellung von Männern und Frauen“, dennoch definieren sie die Gleichstellungsbeauftragten als reine Frauenbeauftragte. In der Regel dürfen auch nur Frauen Gleichstellungsbeauftragte sein und sofern sie gewählt wird, kann die Gleichstellungsbeauftragte meist auch nur von Frauen gewählt werden. Selbst wenn eine Gleichstellungsbeauftragte es wollte, fehlt ihr damit jedwede Legitimation auch männliche Interessen anzusprechen und zu vertreten.

Ist das nun paradox? Nicht zwingenderweise – es hängt ganz davon ab, was man unter „Gleichstellung“ verstehen will.

Der deutsche Gesetzgeber scheint hier eine Vorstellung zu pflegen, die ebenso schlicht wie überholt ist. Aus seiner Sicht teilt sich die Menschheit in zwei Gattungen: Biologische Männer und biologische Frauen. Beide denkt sich der Gesetzgeber als homogene Gruppen – etwas derart Anspruchsvolles und Kompliziertes wie „Diversity“ ist dem deutschen Gesetzgeber unbekannt.

Zudem geht der Gesetzgeber von einem statischen Gefälle zwischen Männern und Frauen aus, das in seiner Vorstellung geradezu axiomatisch immer zu Lasten von Frauen verläuft. Nach dieser simplen Denkart können gewiss nur Frauen strukturell benachteiligt sein – niemals Männer – per Definition.

Man muss sich gewahr sein, dass es sich hierbei um eine a-priori Prämisse handelt. Und diese Vorannahme entscheidet darüber, was Gleichstellung zu bedeuten hat. Nun besitzen Prämissen den Vorzug der Austauschbarkeit. Man mag, kann, darf die Dinge so sehen wie der Gesetzgeber, man muss es aber nicht.

Seit geraumer Zeit schreiben sich Sozialwissenschaftler die Finger darüber wund, wie und in welchem Maße Geschlechterdifferenzen zu einem erheblichen Teil ansozialisiert werden. Es gibt einen berechtigten Streit darüber, wie groß dieser Anteil gegenüber biologischen Anlagen ausfällt. Das muss uns aber nicht davon abhalten, die Prämisse der sozialisationsbedingten Geschlechterdifferenzen als Arbeitshypothese zu nutzen und zu sehen wohin sie uns führt.

Männliche Sozialisation betont demnach Kompetitivät, Konkurrenzfähigkeit und Leistungsorientiertheit. Dementsprechend leben Männer ein eher nach außen gerichtetes und risikoaffineres Verhalten. Und hierin scheint auch die Erklärung begründet, weshalb Männer in bestimmten Lebensbereichen erfolgreicher sind als Frauen. Nämlich überall dort, wo Wettbewerb und Selbstverschleiß das Maß sind.

„Männer bezahlen ihr höheres Maß an Kompetitivität mit dem Entzug von Empathie“

Männer---Entzug-von-Empathie

Der größere Erfolg bedingt aber auch einen nicht unerheblichen Preis. Die Währung, nach der dieser Preis bemessen wird, ist Empathie. Männer bezahlen ihr höheres Maß an Kompetitivität mit dem Entzug von Empathie. Sich selbst als verletzlich zu verstehen und vor allem auch vom Umfeld so verstanden zu werden, ist Männern weit weniger gestattet. Der Gesellschaft fehlt die Fähigkeit, Männer als bedürftig anzusehen.

Gerade für Psychotherapeuten erweisen sich Männer darum auch als eine eher schwierige Klientel. Sich zu öffnen und Gefühlen freie Bahn zu lassen, ist nicht gerade Männerkunst. Entgegen üblicher Narrative handelt es sich dabei keineswegs um ein ein Defizit oder eine Pathologie. Viel eher handelt es sich um eine logische und betontermaßen auch gesunde Anpassungsleistung der Männer an äußere Bedingungen.

Männer weinen nicht, weil es ihnen schlicht und ergreifend nichts nutzt. Wozu über Gefühle reden, wenn einem niemand zuhört? Wir erkennen hier erlerntes Verhalten als Reaktion auf bestimmte Bedingungen und Erwartungen. Für Männer erwiese es sich als äußerst ungesund ihr Verhalten ändern zu wollen, solange auch die Anforderungen von außen unverändert bleiben. Gerade Psychotherapie scheitert hier oftmals, da sie irrigerweise voraussetzt, Männer sollten sich ändern. In der Therapie geübte Denk- und Verhaltensweisen vermag der männliche Patient außerhalb des Therapeutenzimmers nicht anzuwenden. Gerade darum empfinden nicht wenige Männer Psychotherapie als eher abstrakte und lebensferne Erfahrung – für Frauen gut, für Männer nutzlos.

„Wer seinen Söhnen sogeglaubte moderne Rollenbilder vermittelt, der lehrt sie eine Lüge“

Vater-Sohn

Im Übrigen wirft dies auch ein ungewohntes Licht auf die Frage, warum Männer im Schnitt eher zu Gewalt und Kriminalität neigen. Wer früh vermittelt bekommt, dass er kein Mitgefühl erwarten darf, erlernt auch entsprechende Verhaltensmuster. Die Fähigkeit, mit Dominanz und Gewalt eine gewisse Wehrhaftigkeit aufrecht zu erhalten bleibt für Männer von konkreterer Bedeutung als für Frauen. Und die Gesellschaft will auch, dass Männer gewalttätig sind. Für diesen Befund spricht etwa die Aufrechterhaltung der Wehrpflicht als reiner Männerdienst. Dies konserviert letzten Endes traditionelle Geschlechterrollen und betont die gesellschaftliche Erwartung, ausschließlich Männer zur Ausführung zweckdienlicher Gewalt verfügbar zu wissen.

Wer seinen Söhnen sogeglaubte moderne Rollenbilder vermittelt, der lehrt sie eine Lüge. Und eine Gesellschaft hat kein Recht sich über Männergewalt zu echauffieren und Frauen als das friedfertige Geschlecht zu anzupreisen solange dieselbe Gesellschaft diese Rollenverteilung selbst offenkundig will.

Welche Bedeutung trägt dies für die gesellschaftliche Geschlechterordnung? Einerseits erweist es sich – höhere Kompetitivität vorausgesetzt – als logisch, wenn höhere Positionen häufiger von Männern eingenommen werden. Aber nicht minder plausibel ist es, dass Männer ebenso den Bodensatz der Gesellschaft füllen. Sie sind deutlich häufiger obdachlos und begehen häufiger Suizid. Jungen sind häufiger als Mädchen in den unteren Schulformen vertreten, wiederholen häufiger eine Klasse und stellen die Mehrheit unter den Schulabbrechern. Männer bilden außerdem die Mehrheit unter den Gewaltopfern und Gefängnisinsassen.

„Wir sehen Frauen gerne als Opfer, weil uns das so gefällt“

Frau-Traurig

Männer steigen im Schnitt zwar schneller und höher auf, aber wenn sie fallen, dann fallen sie eben und die Gesellschaft lässt sie fallen. Es formt sich somit die Einsicht, dass beides zwei Seiten ein- und derselben Münze sind. Wettbewerbsorientiertheit, Leistungdenken und Riskikoaffinität – das geht nicht ohne Härte gegen andere und sich selbst.

Wir sehen hingegen Frauen gerne als Opfer, weil uns das so gefällt, weil wir unseren Blick von Anbeginn auf das eine richten aber eben nicht auf das andere. Am Anfang der Gleichung ist es eine selbstgewählte Perspektive und ein Konstrukt, das es uns erlaubt, die Welt in einer schwarz-weißen Gut-Böse-Ästhetik zu zeichnen.

Aber was ist daraus nun zu schließen? Sollen Männer weniger kompetitiv sein und Frauen dafür etwas mehr? So als Kompromiss? Als goldene Mitte?

Zeitgenössische Gleichstellung zielt vornehmlich darauf ab, weibliche Biografien an männliche anzupassen – also vor allem mehr Biss und Schlagkraft für Frauen: Empowerment – wie es so schön heißt. Gleichstellungspolitik macht uns vor dies zu beabsichtigen – sie handelt aber nach dem Gegenteil.

Dies offenbart sich bei näherer Betrachtung gängiger Gleichstellungsmaßnahmen wie etwa Mentoring-Programme für Frauen, Frauenstipendien, Frauenstudiengänge, Professorinnenprogramme, Begünstigungsklauseln in Stellenausschreibungen (Frauen bei gleicher Eignung bevorzugt) und selbstredend die Frauenquote.

Allem hier aufgezählten ist gemein, dass es sich dabei um keine emanzipatorischen Instrumente handelt. Vielmehr sind es Mittel bloßer Patronage – angedacht, es Frauen hier und dort etwas leichter zu machen und sie den üblichen Wettbewerb zumindest teilweise meiden zu lassen.

Eine solche Gleichstellungspolitik behandelt die Frau immer noch als das schwache Geschlecht. Hieraus erwächst kein Empowerment, sondern das Fortleben tradierter Geschlechternormen.

Als Beispiel sei die Frauenfördung in den MINT-Berufen genannt. In diesem Feld finden sich allerlei Projekte die speziell und ausschließlich Frauen als Zielgruppe ansprechen. Dies soll zum einen männerfreie Subräume schaffen, in denen Frauen unbeirrt von Rollenklischees sein und wirken können. Zum zweiten soll damit den besonderen Belangen und Bedürfnissen von Frauen Rechnung getragen werden. Männer scheinen hingegen im Auge solcher Gleichstellungsgewerke frei von besonderen Bedürfnissen zu sein.

„Die Frau erscheint als besonders umsorgte Spezies – wie die romanhafte Jungfrau in Nöten“

Frau-Jungfrau

Diese Acht- und Sorgsamkeit sowie die Auszeichnung von Frauen als besondere Klientel haben indessen einen eher unappetitlichen Effekt. Hier wird eben jenes Frauenbild kommuniziert, dessen man sich ja eigentlich entledigen will. Die Frau erscheint als besonders umsorgte Spezies – wie die romanhafte Jungfrau in Nöten.

Zudem rückt das biologische Attribut „Frau“ plötzlich überproportional in den Mittelpunkt. Genau hiergegen verwahren sich aber viele Frauen. Sie wollen ihrer Leistung und ihrer fachlichen Kompetenz wegen geschätzt werden – und nicht aufgrund ihrer genitalen Ausstattung. Es sind folglich eben solche Förderstrategien, die unterschwellig einen benevolenten Sexismus produzieren. Rollenklischees werden nicht aufgelöst sondern reinkarniert.

Aber auch der allgemeine Ausschluss der Männer aus Gleichstellungsfragen reproduziert ein ganz klares Männerbild: Du bist ein Kerl, du musst Dich um deinen Kram selber kümmern. Welch handfeste Probleme dies schafft und wie es jegliches Bemühen um Gleichberechtigung konterkariert, zeigt ein Beispiel aus der Praxis:

An einer Hochschule in Baden Württemberg organisiert die Gleichstellungsbeauftragte Informationsveranstaltungen für Mitarbeiter zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“. Allerdings richtet sich das Angebot nur an weibliche Mitarbeiter.

Was bei nicht wenigen Mitarbeitern beiderlei Geschlechts auf Irritation stößt, ist gemäß Baden Württembergischer Gesetze eine logische Konsequenz. Für nicht-wissenschaftliches Personal ist in besagtem Bundesland eine „Chancengleichheitsbeauftragte“ vorgesehen. Diese ist dem Gesetzestext nach für die Vertretung des nicht-wissenschaftlichen weiblichen Personals zuständig. Sowohl das aktive wie auch passive Wahlrecht kann nur von weiblichen Mitarbeitern ausgeübt werden.

Für das wissenschaftliche Personal sieht das Gesetz die „Gleichstellungsbeauftragte“ vor. Diese steht als Pendant zur „Chancengleichheitsbeauftragten“ für das wissenschaftliche, weibliche Personal und die weiblichen Studenten zur Verfügung. Das Amt der Gleichstellungsbeauftragten kann ebenfalls nur von einer Frau ausgeübt werden. So will es das Gesetz. Hiernach ist offenkundig, dass einer solchen Beauftragten – selbst wenn sie es wollte – sowohl jedwede rechtliche als auch alle demokratische Legitimation fehlt, um die Interessen von Männern zu vertreten.

„Männer wurden in der Gleichstellungspolitik der vergangenen Jahrzehnte nicht mitgedacht“

Identitätskrise-der-Männer

Dieses Beispiel steht repräsentativ für ein wesentlich allgemeineres Phänomen: Männer wurden in der Gleichstellungspolitik der vergangenen Jahrzehnte nicht mitgedacht. Gleichstellungsbeauftragte erweisen sich darum auch als inkompetent, sofern es um die Inklusion beider Geschlechter geht.

Innerhalb der Glasperlenspielerwelt der Gleichstellung weiß man amüsant wenig über Männer. Für den Gleichstellungsbetrieb sind Männer bis heute eine gänzlich nebulöse Zielgruppe geblieben. In der Folge mögen sich die gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen in vielerlei Hinsicht zwar verbessert haben, für Männer erweisen sie sich als weitgehend unverändert. So ist etwa – um das angeführte Beispiel fortzusetzen – Die Akzeptanz für Väter bei Arbeitgebern nachwievor problematisch.

Was nutzt es nun der Frau, wenn sie Kinder und Beruf vereinen kann – ihr Partner aber nicht? Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf setzt vor allem eines voraus: die Kooperation zwischen den Partnern! Eben diese kann aber nur funktionieren, wenn beiden auch ähnliche Bedingungen zugestanden werden.

Gleichstellungspolitik nutzt vor allem Frauen – aber sie nutzt ihnen nur dort, wo sie in Konkurrenz zu Männern stehen. Beispielsweise umzeichnen Frauenquoten für Aufsichtsräte ein solches Feld. Gleichstellung scheitert aber genau dort, wo Männer und Frauen kooperieren müssten, also vor allem wenn es um Familie geht. Die rein auf Frauen ausgerichtete Begünstigungspolitik sieht Männer und Frauen als Konkurrenten, nicht als Partner.

Wie geht nun ein Paar mit solchen Bedingungen um. Was ist zu tun, wenn zwar ihr diverse Möglichkeiten zur Verfügung stehen – ihm aber nicht? Wenn ihr Arbeitgeber Akzeptanz zeigt, sein Arbeitgeber aber nicht? Letzten Endes regieren Vernunft und Pragmatismus. Paare tun nicht das was sein sollte, sondern was machbar ist. Sprich: nicht wenige Paare werden – notgedrungen – eben doch dem alten Rollenmodell mehr oder weniger folgen müssen.

Top 3 Bücher, die wir zum Thema empfehlen können:

Fazit

Gleichstellungspolitik sollte und will eigenem Bekunden nach zum Ziel haben, traditionelle Geschlechternormen aufzulösen. Tatsächlich aber ist Gleichstellungspolitik keine emazipatorische Politik, sondern arbeitet vornehmlich mit Mitteln der Patronage. Es herrscht eine Politik der Frauenbegünstigung, die nichts dazu beiträgt, Frauen gegenüber Männern tatsächlich wettbewerbsfähiger werden zu lassen. Hierzu wäre es nötig, Frauen nicht nur zu fördern, sondern sie auch zu fordern. Genau mit Zweiterem tut diese Politik sich sichtlich schwer.

Ebenso wenig gelingt es, die gesellschaftlichen Bedingungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen. Vielmehr wird durch das stete Ausblenden der Männer unterschwellig eine traditionelle Rollenverteilung reinkarniert.

Für Gleichstellungs-Treibende ist es offenbar bequemer, ein fabriziertes Männerkollektiv als Schuldigen zu definieren, statt das eigene antiquierte Rollenverständnis zu hinterfragen. In der Folge zelebriert Gleichstellungspolitik antiquierte Rollenbilder und sie tut dies unter der bizarren Selbsttäuschung, das Gegenteil zu wollen.

Das eingangs ausgeführte „Gender Equality Paradoxon“ ist demzufolge auch kein „Paradoxon“, sondern die logische Folge einer Politik, die nie etwas anderes getan hat, als selbst traditionelle Rollenbilder fortzusetzen.

Instrumenten wie der Frauenquote ist hier eine besondere Bedeutung beizumessen. Quoten schaffen keine Gleichberechtigung, sie manipulieren Endergebnisse! Und die Manipulation von Endergebnissen ist das Einzige das bleibt, wenn man an den Grundvoraussetzungen nichts ändern mag oder kann, aber dennoch Gleichheit in den Ergebnissen erhalten möchte. Der Effekt solcher Quoten ist entsprechend auch nur punktuell. Quoten wirken nur dort, wo quotiert wird – ohne weitergreifenden Wirkungsradius. Es existieren keine Role-Model-Effekte oder dergleichen. Frauenquoten in Aufsichtsräten entfalten keinerlei Wirkung auf das Geschlechterverhältnis in Vorständen, im mittlerem Management oder andernorts.

Insofern sind Frauenquoten auch keine Gleichstellungsinstrumente. Sie sind kein Mittel zu irgendeinem Zweck. Statt dessen sind sie das banale Endresultat einer ebenfalls banalen und gleichsam reaktionären Gleichstellungspolitik. Die Quote – in all ihrer erbarmungswürdigen Einfalt – ist das höchste, das diese Politik zustande gebracht hat. Nach der Quote kommt nichts mehr, da mit ihr alle Möglichkeiten zur Ergebnisgleichheit ausgeschöpft sind. Die Quote ist der Anfang vom Ende der Gleichstellungspolitik wie wir sie kennen.

@Autor: Kevin Fuchs

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