Zur Stärke verdammt? – Burn-Out vermeiden

Burn-Out vermeiden Zu viel zugemutet: Wer im Job permanent nur Gas gibt, ohne auf Warnzeichen seines Körpers zu achten steuert geradewegs auf ein Burn-Out zu. - Bild: Fotolia, © Jenner

Der Beschützer, das Familienoberhaupt, der Starke – viele Männer sehen sich durch die althergebrachten Rollenverhältnisse immer noch unter Druck gesetzt. Vor allem im Berufsleben will „Mann“ sich deshalb oft beweisen und mutet sich und seinem Körper nicht selten zu viel zu. Schwäche zu zeigen kommt dann nicht in Frage und häufig ist Burn-Out das Resultat. Wir zeigen, wie es gelingt, dies zu verhindern.

Wann ist ein Mann ein Mann? – Diese Zeile sang Herbert Grönemeyer bereits 1984 und hinterfragte damit das (damalige) Männerbild in der Gesellschaft. Und die Frage ist immer noch aktuell. Der Leistungsdruck, nicht nur für Männer ist heute enorm groß. Viele wollen sich keine Blöße geben und übersehen die Notfallsignale ihres Körpers. Um einen Burn-Out zu vermeiden, können die folgenden Tipps hilfreich sein.

Der starke Mann im Job

Die Geschlechterrollen haben sich in Europa zunehmend gewandelt. Frauen beanspruchen einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft und viele Männer sehen sich gezwungen, ihre verlorengegangene Vormachtstellung irgendwie anders auszugleichen.

Ein Weg für sie ist die Suche nach Bestätigung im Berufsleben. Wer hier richtig Gas gibt, kann nur ein richtig toller Hecht sein. Auch wenn ein Job gerne gemacht wird, sorgen Termindruck und möglicherweise Verantwortung für andere Mitarbeiter für Stress am Arbeitsplatz.

Häufig werden auch Überstunden in Kauf genommen, vielleicht aus Ehrgeiz, um noch einen höheren Posten zu ergattern oder auch einfach, weil es nicht so leicht fällt Nein zu sagen. Stress kann einerseits für einen Leistungsschub sorgen, auf der anderen Seite aber auf Dauer auch die Gesundheit schädigen.

Negativen Stress erkennen

Aus medizinischer Sicht wird zwischen positivem und negativem Stress unterschieden. Positiven Stress empfinden wir, solange wir immer noch das Gefühl haben, dass uns die Probleme nicht über den Kopf wachsen.

Hält eine Stresssituation jedoch länger an, hat dies negative Auswirkungen auf die Gesundheit. Die dauernde Anspannung verlangt unserem Körper einiges ab. Fehlen dann zwischendurch die Phasen zur Erholung, treten verschiedene Symptome auf, die als Warnsignal nicht übersehen werden sollten. Folgende Punkte helfen dabei, Anzeichen einer drohenden Überforderung zu erkennen:

  • Kann ich mich schlechter konzentrieren und vergesse ich häufiger etwas?
  • Reagiere ich empfindlicher auf Lärm oder Lichtreize?
  • Habe ich weniger Appetit oder Verdauungsstörungen?
  • Bin ich ständig müde und schlapp, kann aber auch nicht richtig schlafen?
  • Habe ich meine Emotionen nicht im Griff und reagiere in manchen Situationen extremer als sonst?

Bis es zu einem Burn-Out kommt, vergeht jedoch einige Zeit. Jeder Mensch steckt körperliche und seelische Belastungen anders weg. Charakteristisch für einen Burn-Out kommen dabei mehrere Symptome gleichzeitig zusammen und das Krankheitsbild entwickelt sich schrittweise. Wer die Warnsignale seines Körpers erkennt und ernst nimmt, kann als nächstes versuchen, den Stress zu reduzieren.

Auslöser für den Stress finden

Auslöder für Stress

Stau und Verkehrslärm: Wer in einer Stadt lebt, hat häufig auch in seinem Umfeld mit vielen zusätzlichen Stressfaktoren zu kämpfen. – Bild: Fotolia, © Beboy

Manche Auslöser für Stress und Belastung sind schnell gefunden, andere wiederum verstecken sich oder werden von uns selbst ausgeblendet. Ein zu hohes Arbeitspensum, zu viel Verantwortung auf einmal, Deadlines, die dringend eingehalten werden sollen – all dies übt Druck auf uns aus und kann zu einer Überbelastung führen.

Aber nicht nur auf der Arbeit, auch im persönlichen Umfeld können verschiedene Faktoren dazu beitragen, dass wir Stress empfinden. Dies kann eine unruhige Wohngegend sein oder zusätzlicher „Freizeitstress“. Auch wenn es manchmal wichtig ist, sich nach der Arbeit im Fitnessstudio oder auf dem Fußballplatz so richtig auszupowern, kann hier ein gewisser Leistungsdruck genau das Gegenteil bewirken. Wenn es uns nicht gelingt, nach der Arbeit einmal abzuschalten und uns zu erholen, verstärken solche Aktivitäten die Belastung nur noch.

Als weiterer Punkt ist der emotionale Stress aufzuführen. Den meisten Stress machen wir uns nämlich selbst, indem wir uns durch unsere Gedanken unter Druck setzen.

Erwartungen hinterfragen

In den Medien wird ein Bild propagiert, welches glückliche Menschen, glückliche Familien, erfolgreiche Geschäftsleute und gesunde Körper zeigt. Ein durchtrainierter Körper, eine schöne Frau, fröhliche Kinder, ein schickes Familienauto, der gutbezahlte Job und dazu ein wunderschönes Eigenheim. Den wenigsten ist bewusst, dass dies mit der Realität reichlich wenig zu tun hat. Vor allem sollte dieses Medienbild nicht dazu führen, uns dem trügerischen Idealbild zu beugen.

Es ist eine wichtige Erkenntnis, einen Strich zu ziehen zwischen dem, was (vermeintlich) andere von uns erwarten und dem was tatsächlich selbst für uns wichtig ist. Viel zu häufig kommt der Gedanke auf, was andere wohl über einen denken und meist werden auf dieser Grundlage Entscheidungen über das eigene Leben gefällt.

Entspannung-suchen

Auf die eigenen Werte besinnen: Manchmal lohnt es sich, in sich zu kehren und sich an seine eigenen Bedürfnisse zu erinnern. – Bild: Fotolia, © Photographee.eu

 

Dabei bleiben die individuellen Wünsche und Bedürfnisse meist auf der Strecke. Oft wird dieser Verzicht selbst noch als Stärke interpretiert. Wer sein Glück von der Anerkennung und Akzeptanz anderer bindet, macht sich abhängig. Wird dagegen den eigenen Werten gefolgt, fällt es viel einfacher, zufrieden mit sich und seinem Leben zu sein und der Druck es anderen recht zu machen fällt weg.

Ein großer Schritt in diesem Zusammenhang ist es, wieder die Kontrolle über sich und sein Leben zu übernehmen. Wer nur sich selbst und seinen selbst gesteckten Werten und Zielen Rechenschaft schuldig ist, hat es leichter, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Manchmal gehört allerdings etwas Mut dazu, dies auch in die Tat umzusetzen.

Entspannung suchen

Um schlimmere Auswirkungen von anhaltendem Stress oder gar einen Burn-Out zu verhindern, sollten schließlich Maßnahmen getroffen werden, die es möglich machen, ausreichend Ruhe zu bekommen. Im Bereich des Arbeitsalltags könnten dies folgende Punkte sein:

  • Arbeitspensum auf ein erreichbares Maß reduzieren
  • Loslassen und Verantwortung ab- oder weitergeben
  • Arbeit an Kollegen delegieren
  • Wege zur Arbeit falls möglich verkürzen
  • Arbeit nicht mit in den Feierabend nehmen
  • Zeitlichen Puffer mit einplanen

All diese Maßnahmen führen in erster Linie dazu, die täglichen Aufgaben auf ein erträgliches und durchführbares Maß zu reduzieren. Außerdem sollte so nach Feierabend genügend Zeit bleiben, um sich erholen zu können.

Wer auch dann noch privat einige Dinge zu erledigen hat, sollte auch hier möglichst für mehr Pausen und Ruhemöglichkeiten sorgen. Zu viele Freizeitaktivitäten können ebenfalls verhindern, dass wir uns einmal vollständig erholen können. Auch hier ist es hilfreich, sich auf seine individuellen Bedürfnisse zu konzentrieren und gegebenenfalls den einen oder anderen Termin abzusagen.

Vor allem ausreichend erholsamer Schlaf kann dabei helfen, die Auswirkungen des permanenten Stresses zu bekämpfen und die Batterien wieder aufzuladen. Für eine kurze Erholung zwischendurch eignet sich auch das sogenannte Powernapping.

Sport als Ausgleich

Körperliche Aktivität kann im gewissen Rahmen ebenfalls dazu beitragen, abzuschalten und sich zu entspannen. Wichtig ist dabei, sich nicht zu überfordern und den Wettbewerb beim Sport treiben außen vor zu lassen.

Verschiedene Sportarten oder aktive Freizeitbetätigungen sind dafür besonders geeignet:

  • Radfahren, vor allem an der frischen Luft
  • Schwimmen – das Wasser wirkt zusätzlich entspannend
  • Wandern in der Natur
  • Yoga als Ausgleich zwischen Körper und Geist

Die sportliche Aktivität sorgt für ein gutes Körpergefühl. Zudem werden dabei Endorphine ausgeschüttet, die uns glücklich machen.

Fazit

Erholung-in-der-Natur

Erholung in der Natur: Ablenkung und positives Erlebnis kann dabei helfen, die Batterien wieder aufzuladen und neue Kraft zu tanken. – Bild: Fotolia, © Markus Bormann

Erkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Dieser Spruch hat beim Thema Burn-Out eine klare Berechtigung. Wer bemerkt, dass der Druck von außen zu groß wird, kann in sich hineinhören und nach Ursachen forschen. Gerade wir Männer sollten uns dabei nicht scheuen, um Hilfe zu fragen oder bei ersten körperlichen Anzeichen auch einen Arzt zu konsultieren.

Je früher die Weichen für ein entspannteres Leben gestellt werden und der Stress reduziert werden kann, umso besser gelingt es, einen drohenden Burn-Out abzuwenden.

Über Der Philosoph (485 Artikel)
Darko Djurin (Der Philosoph) wurde am 04.05.1985 in Wien geboren. Er ist diplomierter Medienfachmann und Online Social Media Manager. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Musik Produktion, Visual Effects, Logo- & Webdesign, Portrait und Architekturfotografie und SEO – Suchmaschinenoptimierung. Seine Leidenschaft zum bloggen entdeckte er vor 12 Jahren. Der neue Mann ist nicht nur ein Projekt für ihn vielmehr sieht er es als seine Berufung seine Denkweise und Meinung auf diese Art kundzutun.

Kommentar hinterlassen