Männer in Pflegeberufen – Interview mit Sascha Rodleitner

Sascha Rodleitner
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Was waren Ihre Beweggründe, sich für den Pflegeberuf zu entscheiden?

Nach meiner Ausbildung als Versicherungskaufmann habe ich angefangen Wirtschaftsrecht zu studieren. Dort wurde mir jedoch bewusst, dass ich lieber direkt mit Menschen arbeiten möchte – also habe ich mich im Bekanntenkreis umgehört. Nach Gesprächen mit zwei befreundeten Krankenpfleger*innen stand die Entscheidung fest mich für die Ausbildung zum Pfleger zu bewerben.

Wie hat Ihr Umfeld auf den Richtungswechsel reagiert?

Oft hört man Kommentare wie: „Sowas könnte ich nie machen!“ Aber davon ließ ich mich nicht abbringen. Die Pflege ist für mich genau die richtige Berufswahl.

Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen (also nicht die formalen Voraussetzungen wie z.B. Matura, sondern die „Soft Skills“ bzw. „Charaktereigenschaften“)

Harte Schale – weicher Kern, trifft es ganz gut. Als Pflegeperson muss ich fachlich kompetent sein, aber mich auch auf mein Gegenüber einlassen können und wollen. Einfühlvermögen und eine offene und kommunikative Art sind also definitiv ein Vorteil in diesem Beruf.

Was sind für Sie die Herausforderungen bei der Arbeit mit kranken Menschen?

Oft ist es eine Herausforderung alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Teils hat man auch mit schwer kranken oder jungen Patienten*innen zu tun. Das geht mir manchmal schon nahe. Es ist nicht immer einfach gewisse Themen nicht mit nach Hause zu nehmen. Aber dafür sehe ich eben auch einen Sinn in meiner Tätigkeit, die mich auch mit Stolz erfüllt.

Wie sieht die Ausbildungsform, die Sie besuchen, im Detail aus? Welche Fächer lernen Sie da?

Die Ausbildung gliedert sich in Theorie- und Praxisblöcke. Breit gefächert, angefangen über die Grundlagen der Gesundheits- und Krankenpflege, bestimmte Krankheitsbilder wie Diabetes, aber auch Themen wie die Palliativversorgung werden abgedeckt. Außerdem ist es möglich, im 5. Semester ein Auslandspraktikum zu absolvieren und somit Erfahrung im Ausland zu sammeln. Ich war in Berlin und hatte trotz Corona eine unvergessliche Zeit, in der ich meine Kompetenzen ausbauen konnte.

Welche Fachhochschulen in Österreich bieten ein solches Studium an?

Es bieten fast alle Bundesländer eine Ausbildung über eine Fachhochschule an.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Das Bachelorstudium dauert drei Jahre – also sechs Semester.

Wieviel kostet die Ausbildung bzw. gibt es dafür finanzielle Unterstützung?

Als Student einer Fachhochschule ist grundsätzlich ein Studienbeitrag von ca. € 370 zu bezahlen. Sollte der*die Studierende Studienbeihilfe erhalten, wird der Studienbeitrag wieder refundiert. In Wien kommt dazu noch das Semesterticket mit 75€.

Wird das Studium für „Quereinsteiger“ aus anderen Berufen bezahlt?

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit Studienbeihilfe oder das Selbsterhalter-Stipendium zu beantragen. Darüber hinaus gewährt z.B. der Wiener Gesundheitsverbund auch eine Art „Leistungsstipendium“, welches in meinem Fall monatlich ausbezahlt wird. Sollte man sich für einen Studienplatz auf einem Außenstandort entscheiden, ist es möglich in der Kantine des Krankenhauses zu essen. Dies spart auch ein paar Euro im Monat.

Wie sieht Ihre bisherige Bilanz des Studiums am Campus Donaustadt aus?

Ich schätze die Anbindung an die Klinik Donaustadt sehr, quasi morgens am Weg ins Krankenhaus zu sein macht schon ein gutes Gefühl und bringt Theorie und Praxis näher zusammen. Der Campus Donaustadt ist außerdem sehr persönlich gehalten, da fühle ich mich sehr gut aufgehoben.

Welche beruflichen Möglichkeiten hat man nach dem Studium?

Grundsätzlich erlangte ich mit der Bachelorprüfung sowohl den Bachelortitel als auch die Berufsberechtigung für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Das Tätigkeitsfeld ist breit gestreut. Mit dem Bachelortitel Bachelor of Science in Health Studies (BSc) gibt es die Möglichkeit zu einem weiterführenden Masterstudium. Durch die Berufsberechtigung ist es möglich, klassisch im Krankenhaus, aber auch bei mobilen Pflegediensten oder anderen Gesundheitsdienstleistern zu arbeiten. Es ist sogar möglich, sich selbstständig zu machen.

Wo sehen Sie Ihre berufliche Zukunft?

Für den Anfang auf jeden Fall im klinischen Setting, was die Zukunft bringt ist ungewiss.

  • Studium „Gesundheits- und Krankenpflege“
  • 6-Semester Vollzeit-Bachelor-Studium, davon 59 Wochen Praktikum
  • organisiert vom Wiener Gesundheitsverbund in Kooperation mit FH Campus Wien
  • Unterricht von Mo bis Fr, Praktika teilweise samstags
  • Abschluss: „Bachelor of Science in Health Studies (BSc)“
  • Anfangsgehalt: rund € 2.767,– bis € 3.413,– (lt. W-BedG), brutto

Interessiert? Für Studienbeginn im September 2021 läuft die Bewerbungsfrist noch bis 16. Juli 2021. Anmeldung HIER


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