In Style – außerhalb der Masse: Must-haves für den modernen Nonkonformisten

Modernen-Nonkonformisten
Nonkonform beutet heute weniger klassische „Anti“-Attitüde, sondern ein zeitlos positives, „männliches“ Verhalten. - fotolia.com© realstock1

Der Volksmund hat viele fragwürdige Sprichwörter hervorgebracht. Aber „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ ist eines der wenigen, die wirklich Gültigkeit haben. Und obgleich Individualität heute den meisten Männern so wichtig ist, wie selten zuvor, wirken viele geradezu uniformiert – sowohl im Aussehen als auch dem Denken. Dabei ist es möglich, Nonkonformist zu sein, ohne dadurch Nachteile zu erleiden und, ganz wichtig, ohne wie ein typischer „Urban-Hipster“ zu wirken. Die wichtigsten Schritte erläutert der folgende Artikel.

1: Klassisch statt modehörig

Klassisch-statt-modehörig
Nonkonforme Mode ist immer ein in sich stimmiges Gesamtkonzept, dass auf maximale Zeitlosigkeit auch bei Haar & Bart setzt. – fotolia.com © kantver

Als vor einem Jahr die männliche Herbst/Winter-Kollektion 2016/17 vorgestellt wurde, war schon klar, dass da Trübsal pur anmarschiert kommt. Viel Grau in Grau, merkwürdig sackartige Schnitte. Und die Sommerkollektion für 2017 setzt noch einen drauf. Zwangsjugendlichkeit durch verstärkten Einsatz von Sportklamotten – schlimmstenfalls sogar als Kombi von Trainingshose und Sakko. Natürlich dürfen auch bis über den Knöchel hochgekrempelte Hosenbeine („Pinrolled“) samt niedriger Sneakersocken nicht fehlen, selbst bei Minusgraden.

Wer Nonkonformist sein will, wirft diese Trends samt und sonders über den Haufen, ganz besonders, wenn sein Alter bereits mit einer 3 beginnt. Dann sollte der Kleiderschrank nach dem Faktor „Zeitlosigkeit“ gefüllt werden und dazu folgendes enthalten:

  • Neutralfarbige und nicht zu körperbetont geschnittene Anzüge
  • Marken- (nicht Designer-) Jeans in Blau
  • Diverse Hemden in neutralen Farben für den Anzug bzw. etwas bunter für die Freizeit
  • Poloshirts – diese niemals in die Hose stecken
  • (Cargo) Chinos, aber nicht hauteng

Natürlich muss man modetechnisch kein „Anti“ sein, aber auch kein Mittdreißiger „Berufsjugendlicher“, der jedem Trend folgt, egal wie clownsartig er damit wirkt. Generell gilt bei Nonkonformisten-Kleidung, dass sie von den Extremen fernbleibt. Man muss nicht wie ein lebendes Schwarzweiß-Foto herumrennen, aber auch nicht wie Wigald Boning in den 90ern.

Übrigens gilt das auch bei den Schuhen. Ja, Sneaker sind trendy, auch bei Männern jenseits der 30. Aber ab einem gewissen Alter wirken sie gezwungen. Wer ein unangepasstes Statement setzen will, kann (dezente) Cowboystiefel tragen – aber unter den Hosenbeinen. Und bei den Schuhfarben gilt ebenfalls, alles, bloß nicht schreiend bunt.

2. Unangepasst mobil

Unangepasst-mobil
Nicht nur Smartphones an sich sind massen-angepasst, sondern auch der Umgang damit. Nonkonformisten lassen das Ding auch mal stecken. – fotolia.com © DisobeyArt

Dieser Punkt ist etwas schwieriger durchzuführen. Denn zu einem modernen Leben gehört eben das Smartphone. Bloß zeigen nicht nur Events wie die Ankündigung, das Kulthandy Nokia 3310 neu aufzulegen, dass es durchaus einen Markt für Mobiltelefone gibt, die sich nicht wie ein Ei gleichen.

Klar, „Dumb Phones“ gibt es in rauen Mengen, oft für Wühltischpreise. Bloß fehlen ihnen Features, die einfach heute unverzichtbar sind. Man(n) will ja nur Nonkonformist sein, nicht außerhalb der Gesellschaft stehen, da braucht es Whatsapp, Facebook und diverse Nachrichten-Apps. Für genau diese Klientel wurde das LG Wine-Smart gemacht. Nach außen ist es ein klassisches Klapptelefon. Innen werkelt aber smarte Technik und ein Android-Betriebssystem. Zwar ist die Ausstattung dürftig, dafür verbindet das Gerät aber heute notwendige Funktionen mit einem Look fernab des smarten Einheitsbreis.

3. Tierisch in Style

In einer Zeit, in der immer Menschen als Single leben, verwundert es nicht, dass auch die Zahlen an Haustieren steigen. Bloß ist die Konformisten-Grenze erreicht, wenn schon Katzenfutter-Hersteller statt eines weiblichen Models im TV-Spot einen modernen 20-something Mann zusammen mit dem Stubentiger in Szene setzen.

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Vögel als Haustiere sind schon deshalb nonkonformistisch, weil sie, im Gegensatz zu früheren Tagen, nicht mehr von vielen gehalten werden. – fotolia.com © iVangelos

Katzenliebhaber mögen vielleicht jetzt aufstöhnen, aber neben der Masse an Negativtatsachen über Katzen für ihre Besitzer sind diese Tiere heute nicht nur in Städten eine gigantische Gefahr für die Vogelpopulation.

Aus all diesen Gründen sollte Man(n) nicht mit der katzenbesitzenden Herde traben, sondern auch an diesem Punkt nonkonformistischen Style beweisen. Nein, damit sind nicht die aufwändigen Hunde gemeint, sondern etwas Klassisches wie Nymphensittiche. Zu deren vielfältigen Vorteilen gehört, dass sie zwar exotisch aber nicht selten sind, pflegeleicht, aber eben auch ein Spielkamerad. Und im Gegensatz zu Katze und Hund verteilen sie keine Unmengen von Haaren und Geruch in der Wohnung und stören nicht im ungünstigsten Moment, sondern sind einfach da und wirken immer cool.

Übrigens wäre die andere, ebenfalls nicht nonkonformistische Ende der Fahnenstange, sich Exoten wie Reptilien oder Spinnen zu halten. Denn das ist heuer nicht wirklich selten, hat aber praktisch immer einen schrägen Touch. Wer das nicht glaubt, sollte sich selbst fragen, was klingt gegenüber Fremden merkwürdiger:

  • Ich habe zuhause zwei Nymphensittiche“
  • Ich habe zuhause zwei Vogelspinnen und eine Würgeschlange“

Die Antwort dürfte klar sein. Nonkonformismus macht einen Mann interessant, nicht creepy.

4. Mobile Ecken & Kanten statt Seife auf Rädern

Klassisch gut gekleidet, in der Tasche ein unangepasstes Telefon und einen Nymphensittich in der Voliere – wer mit dieser Attitüde in ein Auto von 2015 steigt, macht binnen weniger Sekunden all diese Bemühungen zunichte.

Mobile Ecken & Kanten statt Seife auf Rädern
Ecken & Kanten ja, aber keine alltagsuntaugliche, teure, durstige „Macho-Schleuder“. Beim Auto ist Unangepasstheit eine Gratwanderung. – fotolia.com © Oleksii Nykonchuk

Nichts gegen moderne Autos, sie sind verbrauchsarm, schützen die Umwelt und sind so sicher, wie kein Fahrzeug vor ihnen. Aber sie sind, um einen anonym bleibenden Kfz-Journalisten zu zitieren, auch „rundgelutschte Seifenstücke mit vier Rädern“. Und so extrem diese Aussage auch ist, ihr Kern ist wahr.

Denn auf der Suche nach immer geringeren Verbräuchen können die Ingenieure aller Autohersteller nur den Regeln der Physik folgen. Und die sorgen dafür, dass Autos sich immer mehr ähneln – und mit ihrem Hang zu niedrigen Dachformen, hohen Seiten und aggressiven Fronten nicht gerade zu ihrem Vorteil.

Wer nonkonformistisch unterwegs sein will, macht es á la Hipster und fährt mit einem Oldschool-Fahrrad. Wer jedoch nicht in der Großstadt lebt und einen täglichen Arbeitsweg zu absolvieren hat, sollte eher in den Pool von Autos greifen, die sich noch nicht wie ein Ei ähneln – namentlich Young- und Oldtimer.

  • Youngtimer sind Autos, die älter als 15 aber jünger als 30 Jahre sind
  • Oldtimer sind Autos, die über 30 Jahre alt sind

Nun gerät man bei jungen Youngtimern schon ins aktuelle Jahrtausend, als die Formensprache schon vereinheitlicht war – umgekehrt sind Oldtimer aus den 60ern heute schlicht nicht mehr alltagstauglich, sowohl von der Sicherheit her, als auch, wenn sie als Oldtimer gemeldet sind, denn dann dürfen sie nur an 120 Tagen jährlich bewegt werden.

Der Mittelweg sind Autos der späten 70er bis Mitte der 90er. Denn die haben durch ihre distinktive Formensprache alle Nonkonformisten-Vorteile, sind aber auch keine unsicheren Dreckschleudern. Einige alltagstaugliche Old- und Youngtimer für Einsteiger sind:

  • Audi 100, Typ 44
  • BMW 3er, Modell E30
  • BMW 5er, Modell E34
  • Ford Capri, Modell II‘78
  • Mercedes 190er, Modell W201
  • Mercedes E-Klasse, Modell W124
  • Opel Monza
  • Porsche 924
  • Volvo 240

Diese Fahrzeuge bieten einerseits viel von dem, was man an heutigen Autos gewöhnt ist, lassen sich noch zu humanen Preisen instand halten und überfordern nicht den normalen Mechaniker. Andererseits jedoch sind sie im heutigen Straßenbild teilweise Exoten – und somit die perfekten Untersätze für den Nonkonformisten.

5. Der innere Nonkonformist

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Unangepasstheit um jeden Preis führt oft zu Schein-Nonkonformität. Üppige Tattoos und Vollbart sind heute massentauglich und nicht nonkonform. – fotolia.com © Fxquadro

Sämtliche bislang getätigten Schritte sind in ihrer Summe schon sehr nonkonformistisch. Sie alle wirken jedoch wenig, wenn Mann im Kopf ein Zeitgeist-angepasster Mensch bleibt. Das bedeutet beileibe nicht, dass Nonkonformisten reaktionäre Machos sein müssten. Es bedeutet viel mehr, dass man sich in seinen Denk- und Vorgehensweisen einfach von der breiten Masse und den aktuellen Strömungen abhebt. Einige Beispiele:

  • Unter der Gleichberechtigung haben leider viele positive Tugenden gelitten. Der Gentleman-Nonkonformist hingegen hält Frauen immer noch die Tür auf, hilft aus und in die Jacke, rückt vielleicht sogar den Stuhl zurecht – er macht dies aber mit einer absoluten Natürlichkeit, so als hätte er nie damit aufgehört. Er behandelt Frauen gleichberechtigt, aber dennoch mit nonchalantem Respekt
  • Der Nonkonformist ist über das aktuelle Weltgeschehen informiert. Er hinterfragt aber nicht nur kritisch Mainstream-Ansichten, sondern hält sich auch mit vorschnellen Statements zum Tagesgeschehen zurück. Er ist ein stiller Beobachter, der das Empört-sein und lautes Kreischen den anderen überlässt.
  • Der Nonkonformist kann natürlich modernen Trends folgen, kann selbstverständlich vegan leben und Alkohol ablehnen – er drückt diese, seine Lebensphilosophie aber nicht anderen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf, sondern akzeptiert, dass jeder seinen eigenen Weg gehen sollte.
  • Der Nonkonformist kann natürlich modernen Trends folgen, kann selbstverständlich vegan leben und Alkohol ablehnen – er drückt diese, seine Lebensphilosophie aber nicht anderen bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit auf, sondern akzeptiert, dass jeder seinen eigenen Weg gehen sollte.
  • Der Nonkonformist ist nicht allwissend. Er ist offen für Neues und hat den Charakter, wirklich gute Vorschläge anzunehmen – aber auch genügend Rückgrat, um seinem Gegenüber ins Gesicht zu sagen, dass dieser falsch liegt.
  • Der Nonkonformist biedert sich bei niemandem an und tritt auch nicht nach unten. Weder verhält er sich Vorgesetzten gegenüber kriecherisch, noch übt er überflüssigen Druck auf Untergebene aus, nur weil er die Macht dazu hat.
  • Der Nonkonformist ist ein fairer Mensch. Er greift bei Unrecht ein. Aber er ist in keinem Falle nachtragend. Er verkörpert eine Tugend, nach der die Erledigung eines Fehlers automatisch dazu führt, dass dieser abgehakt ist und niemals wieder, nur der Erwähnung willen, aufs Tableau gebracht wird.
Der-Nonkonformist
Klassische Gentleman-Tugenden haben nichts mit Raktionismus oder Machohaftigkeit zu tun, sondern zeugen nur von gutem Verhalten. – fotolia.com © Peter Atkins

Wer diese Punkte aufmerksam gelesen hat, der merkte sicher bereits, dass das „innere Geheimnis“ zum Nonkonformismus sich in vielen Punkten mit klassischen Männlichkeitsidealen deckt. Das tut es in der Tat. Der Trick darin ist, sich in allen positiven Punkten aus dieser üppig gefüllten Kiste zu bedienen und dabei all jene Aspekte zu ignorieren, die in der heutigen Welt keinen Platz mehr haben. So schafft Man(n) es, sich einerseits aus der modernen, angepassten Masse hervorzuheben, aber nur im positiven Sinne und ohne wie ein rückständiger Mensch zu wirken.

Fazit

Nonkonformismus ist heute sehr viel mehr, als eine „Dagegen-Haltung“ an den Tag zu legen, mehr als einen urzeitlichen Vollbart mit 30er-Jahre Undercut zu kombinieren. Es ist eine ganzheitliche Lebensphilosophie, die sich beim Mann dadurch manifestiert, dass er den Balanceakt zwischen Tradition und Moderne schafft. Ein Nonkonformist ist niemals extrem, er ist aber jemand, der durch sein Äußeres und sein Verhalten dafür sorgt, dass er in allen Lebenslagen positiv hervorsticht. Er ist cool, ohne gezwungen zu wirken, nonchalant ohne laissez-faire zu sein, ein Oldschool-Gentleman ohne Chauvi-Attitüde.

Über Der Philosoph 568 Artikel
Darko Djurin (Der Philosoph) wurde am 04.05.1985 in Wien geboren. Er ist diplomierter Medienfachmann und Online Social Media Manager. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Musik Produktion, Visual Effects, Logo- & Webdesign, Portrait und Architekturfotografie und SEO – Suchmaschinenoptimierung. Seine Leidenschaft zum bloggen entdeckte er vor 12 Jahren. Der neue Mann ist nicht nur ein Projekt für ihn vielmehr sieht er es als seine Berufung seine Denkweise und Meinung auf diese Art kundzutun.

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