TRIER. Als älteste Stadt Deutschlands zieht Trier jährlich zahlreiche Besucher an. Einige davon wollen weder in eine Ferienwohnung noch ins Hotel. Sie möchten ihre authentische Städtereise bei Locals auf der Couch verbringen. Doch erst im Jahr 2016 geriet das Couchsurfing in Trier stark in Verruf. Damals wurde eine 24-jährige Studentin ausgeraubt, die einen Gast in ihrer Wohnung übernachten ließ. Sollte darum generell von dem Nischen-Trend abgeraten werden? Nein, denn es gibt auch ein paar Vorteile.
Gastfreundschaft im Wohnzimmer
Urlaub – das bedeutet für viele, in einem gemütlichen Hotelzimmer zu übernachten und sich morgens ein leckeres Frühstück schmecken zu lassen. Manch anderer möchte das Hotelbett jedoch lieber gegen eine bequeme Couch im Wohnzimmer eines echten Locals eintauschen.
Das sogenannte Couchsurfing ist als Trend gar nicht so neu. Bereits seit Jahrzehnten lassen Privatpersonen Menschen auf ihrem Sofa oder dem Ausziehbett im Gästezimmer übernachten. Allerdings handelt es sich dabei meist um Verwandte, Freunde oder zumindest Bekannte.
Besonders offene und kontaktfreudige Gastgeber öffnen jedoch auch Fremden die Tür und bieten ihnen eine authentische Übernachtungsmöglichkeit. Denn der Sinn des Couchsurfings besteht nicht nur darin, neue Menschen und Kulturen hautnah kennenzulernen. Es geht auch darum, den Wert der Gastfreundschaft hochzuhalten.
Schließlich fließt beim Couchsurfing anders als bei der Übernachtung in Hotel oder Ferienwohnung kein Geld. Stattdessen ist es der Gedanke reiner Nächstenliebe, der die meisten Gastgeber antreibt. Das und vielleicht auch ein gewisses Maß an Neugierde auf die erwarteten Besucher.
Braucht es zum Couchsurfing wirklich nur eine Couch?
Grundsätzlich ist es ein schöner Gedanke, die eigene Wohnung mit jemandem zu teilen, der gerade eine Unterkunft sucht. Man gibt ein Stück der eigenen Privatsphäre auf, um einen anderen Menschen willkommen zu heißen. Was romantisch klingen mag, erfordert aber meist mehr als nur ein freies Sofa.
Wer sich wirklich als Gastgeber für Couchsurfing-Gäste zur Verfügung stellen möchte, braucht zuallererst ein gehöriges Maß Kontaktfreude. Anders geht es nicht, denn bei dieser authentischen Übernachtungsmöglichkeit stehen regelmäßig fremde Reisende vor der Tür.
Genaue Zahlen darüber, wie häufig sogenannte Couchsurfer in Deutschland auf fremden Sofas übernachten, gibt es zwar nicht. Jedoch waren laut einer Studie von Deutschlandfunk Kultur im Jahr 2013 rund sieben Millionen von ihnen weltweit unterwegs.
Zudem belegt eine Umfrage der COBUS Marktforschung GmbH aus dem Jahr darauf, dass auch viele Bundesbürger vom Couchsurfing überzeugt sind. Rund 34 Prozent der Befragten fanden die Übernachtung auf dem Sofa eines Locals optimal, um Städte und Länder abseits der ausgetretenen Touristenpfade zu erkunden.
Jeder zweite Umfrageteilnehmer gab sogar an, er oder sie würde einen unbekannten Besucher auf der eigenen Couch willkommen heißen.
Diese Vorteile bringt das Couchsurfing mit sich
Dass aufgeschlossene Reisende das Couchsurfing als attraktive Alternative zur gebuchten Ferienunterkunft ansehen, ist klar. Schließlich kommen sie in den Genuss einer kostenfreien Übernachtung – und mit etwas Glück sogar eines schmackhaften Frühstücks.
Doch welche Vorteile bietet das Couchsurfing eigentlich für die Gastgeber?
Authentische Begegnungen
Bei kaum einer anderen Situation kommt man so intensiv mit einer fremden Person in Kontakt wie beim gemeinsamen Wohnen. Jeder, der schon einmal in einer WG übernachtet hat, kennt das. Man lernt die Mitbewohner mit all ihren guten und schlechten Seiten kennen. Ob man will oder nicht.
Beim Couchsurfing ist es ganz ähnlich, auch wenn sich das Kennenlernen meist nur auf wenige Nächte beschränkt. In dieser Zeit jedoch kommt man einem Fremden ganz nah. Man teilt zusammen ein Stück des Alltags und kann dadurch den eigenen Horizont erweitern.
Besonders spannend dabei: Für ein paar Momente taucht man in die Lebenswirklichkeit eines anderen ein. Erzählt ein Gast etwa von seinen bisherigen Reiseerfahrungen, wird der Gastgeber automatisch ein Teil dieser Geschichte.
Verbesserte Sprachkenntnisse
Nicht immer sprechen diejenigen, die beim Couchsurfing an die Haustür klopfen, die eigene Sprache. Stattdessen ist es sogar sehr wahrscheinlich, dass die Übernachtungsgäste aus einem anderen Land und Kulturkreis stammen.
Denn es können sich zwar viele Deutsche vorstellen, Gäste auf dem eigenen Sofa einzuquartieren, selbst das Hotelbett gegen eine fremde Couch eintauschen, wollen heutzutage jedoch wenige. Meist handelt es sich bei Couchsurfern daher um Reisende aus fernen Ländern, etwa aus Australien, den USA oder Südamerika.
Um sich mit jemandem zu verständigen, der kein Wort der deutschen Sprache spricht, ist Englisch noch immer die leichteste Alternative. Mit ein wenig Glück besteht jedoch die Chance, zumindest ein paar Brocken einer weiteren Sprache zu lernen.
Schließlich bedankt sich so mancher Couchsurfer für das kostenfreie Dach über dem Kopf mit einem Crashkurs in seiner Muttersprache.
Neue Freundschaften
Beim Couchsurfing lassen sich nicht nur kurzweilige Bekanntschaften knüpfen. Nicht selten kommt es vor, dass Gast und Gastgeber auch für längere Zeit in Kontakt bleiben – meist über Social Media.
Daraus können sich sogar länderübergreifende Freundschaften fürs Leben entwickeln. Insbesondere dann, wenn das Couchsurfing mehr als die reine Übernachtung umfasst. So bieten einige Locals ihren Gästen auch gemeinsame Mahlzeiten, spannende Stadtführungen und andere einzigartige Erlebnisse, die zusammenschweißen.
Wann Couchsurfing zum Ärgernis werden kann
Beim Couchsurfing gilt das gleiche wie bei anderen Reisearten: Es kann auch Schattenseiten geben.
Für diejenigen, die auf diesem Weg eine kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit suchen, gehören unfreundliche Gastgeber zu den größten Sorgen. Schließlich weiß man niemals im Voraus, wer einem die Tür öffnet und ob die gegenseitige Chemie stimmt.
So kann es natürlich auch passieren, dass sich jene, die ihr Sofa zur Verfügung stellen, über einen unangenehmen Gast ärgern müssen. Wer einmal erleben musste, dass die eigene Couch nach der Übernachtung verschmutzt oder gar kaputt hinterlassen wurde, überlegt sich zukünftig wohl zweimal, ob er weitere Gäste aufnimmt.
Die echte Gefahr beim Couchsurfing
Schlimmer noch sind jedoch Couchsurfing-Erfahrungen mit Kriminellen. Beinahe jeder kennt zumindest unterbewusst die Angst, unterwegs Opfer von Dieben zu werden. Insbesondere in Großstädten treiben diese ihr Unwesen. So kam es im Dezember 2025 in der Trierer Innenstadt zu vermehrten Taschendiebstählen.
Noch verstörender jedoch, als außerhalb der Wohnung einem Verbrechen zum Opfer zu fallen, sind solche Horrorerlebnisse in den eigenen vier Wänden.
So machten in den vergangenen Jahrzehnten weltweit einige Fälle die Runde, in denen Couchsurfing-Gastgeber belästigt, überfallen, ausgeraubt oder bedroht wurden.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Übernachtungsgast eine potenzielle Gefahr darstellt. Wer sich jedoch besser vor schlechten Erfahrungen schützen möchte, sollte folgende Tipps beherzigen:
Bevor man einen Gast in der eigenen Wohnung übernachten lässt, empfiehlt sich eine gründliche Prüfung seines Profils. Schließlich stehen die Couchsurfer nicht einfach vor der Tür. Sie melden sich über ein Online-Portal bei ihren potenziellen Gastgebern an.
Bei jedem Couchsurfer kann es zudem sinnvoll sein, die Bewertungen vorheriger Gastgeber zu lesen. Das gilt natürlich auch umgekehrt. Wer nach einem Sofa zum Schlafen sucht, sollte sich vorher gründlich darüber informieren, in wessen Wohnzimmer dieses eigentlich steht.
Auch eigene Sicherheitsmaßnahmen können das Risiko schlechter Erfahrungen beim Couchsurfing verringern. So ist es etwa sinnvoll, Wertsachen und Bargeld sicher zu verwahren, solange ein Fremder in der eigenen Wohnung übernachtet.

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