Pogonophilie: Bist auch Du pogonophil?

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Als pogonophil könnte man die Anhänger zahlreicher Religionen bezeichnen. Ob im Judentum, Islam oder Sikhismus, die männlichen Gläubigen sollen Bärte tragen. Auch Jesus Christus wird oft mit Gesichtsbehaarung dargestellt. Was für die einen religiöse Tradition ist, ist für die anderen säkularer Trend – immer mehr Männer tragen die Gesichtszierde als Modestatement. Trägst auch Du Bart, und wenn ja, wie wirkt sich das auf Dein Leben aus? Wir klären, was es mit der neuen Welle der Pogonophilie auf sich hat und beleuchten, warum die Gesichtsbehaarung bei Männern und Frauen neuerdings so beliebt ist.

Wer zum ersten Mal mit den Begriffen Pogonophilie und pogonophil konfrontiert wird, könnte an einen abstrusen wissenschaftlichen Effekt oder eine Erkrankung denken. Weit gefehlt! Pogonophilie beschreibt die Affinität oder Vorliebe für männliche Gesichtsbehaarung. Anders ausgedrückt, steckt hinter dem Begriff die Liebe zu Bärten.

Eine Person, die pogonophil ist, findet Bärte somit attraktiv – und bevorzugt damit Bartträger zu bartlosen Personen. Eine Ablehnung oder Angst vor Männern mit Bärten wird übrigens Pogonophobie bezeichnet. Wer pogonophob ist, hat eine Abneigung gegen Gesichtshaar. Die Wortendung -phob ist vielen stärker geläufig als -phil, dabei machen beide aus dem verwendeten Wortstamm erst die entsprechende Bedeutung.

Wie und wann es angefangen hat mit dem Trend zur Gesichtsbehaarung, lässt sich nicht mehr ganz nachvollziehen. Dass das männliche Gesichtshaar derzeit wirklich angesagt ist, wird allerdings spätestens beim Blick ins Drogerieregal klar. Immer mehr Produkte für Pflege und Styling für den Bart und Schnurrbart finden sich da. Shampoo, Conditioner, Schaum; was nach Kosmetikprodukten für Frauen klingt, ist speziell für den Mann und sein Gesichtshaar konzipiert. Die Pogonophilie wird derzeit ausgiebig zelebriert.

Für zahlreiche Männer ist Gesichtsbehaarung modern und hat nichts mit Tradition oder Religion zu tun. Fragt man die Bartträger selbst, warum sie Bart oder Schnurrbart tragen, werden vor allem zwei Gründe genannt:

  • Der Bart ist ein ideales Mittel, um seine Individualität auszudrücken. Zusätzlich zur Kleidung lassen sich über den Bart der persönliche Style und die eigene Kreativität darstellen. Psychologe Peter Glanzmann beschreibt den Bart als Stilmittel, mit dem man sich vom Rest der Welt unterscheiden kann.
  • Mit Bart fühlen sie sich einfach wohler, wofür es unterschiedliche Beweggründe geben kann. Etwa das Kaschieren von als unschön empfundenen Gesichtspartien oder der Wunsch danach, älter zu wirken oder sich männlicher zu fühlen.

Auch schon früher stand der Bart für Männlichkeit und Macht. Beispielsweise die Pharaonen waren sehr pogonophil und trugen sogar Bart-Attrappen, um ihrer Manneskraft und Machtstellung Ausdruck zu verleihen. Bei den alten Griechen stand der Bart hingegen für Weisheit und Würde.

Bei den Spartanern hatte die Gesichtsbehaarung ebenfalls einen hohen Stellenwert – eine Rasur galt als Strafmaßnahme. Wie bereits erwähnt, gibt es weltweit unterschiedliche religiöse Regelungen zum männlichen Gesichtshaar. Eine traditionelle Bedeutung hat der Bart aber in unseren Breiten längst verloren.

Eine neue Studie aus dem Jahr 2020 von der University of Queensland, Australien, zeigt, dass viele Frauen pogonophil sind und Männer mit Gesichtsbehaarung sowohl sozial als auch körperlich attraktiver und dominanter finden.

Das Forscherteam um Tessa R. Clarkson herum befragte 919 amerikanische Frauen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren, die teils Single, teils vergeben waren. Den Probandinnen wurden Fotos von Männern mit verschiedenen Stadien der Gesichtsbehaarung vorgelegt. Insgesamt betrachteten und bewerteten die Frauen 30 Bilder von Männern, die mal ohne Bart, mal mit Vollbart zu sehen waren.

Die Bilder wurden mit Photoshop entsprechend bearbeitet, um die Männer auf den Fotos weiblicher oder männlicher aussehen zu lassen. Die Frauen mussten die Fotos nach der wahrgenommenen Attraktivität für eine kurzfristige Beziehung und eine langfristige Beziehung bewerten.

Die Ergebnisse könnten nicht klarer sein: Die Probandinnen fanden, dass die Männer umso attraktiver waren, je mehr Gesichtsbehaarung auf den Fotos zu sehen war. Bärtige Männer mit einem maskulinen Aussehen wurden als attraktiver eingestuft, insbesondere für langfristige Beziehungen.

Die Forscher vermuten, dass die Ergebnisse darauf zurückzuführen sein könnten, dass männliche Gesichtszüge auf einen Mann hinweisen, der sozial dominant und körperlich stärker ist, und dass das Gesichtshaar diese männlichen Eigenschaften verbessert und weniger attraktive Gesichtsbereiche maskiert.

In Bezug auf die Wahrnehmung von Männlichkeit erkannten die Wissenschaftler einen positiven Zusammenhang zwischen Männlichkeit im Gesicht und körperlicher Stärke, Kampffähigkeit und sozialem Durchsetzungsvermögen.

Die Forscher stellten fest, dass die Männlichkeit des Gesichts auch die Paarungspräferenzen der Frauen beeinflusst, indem sie Hinweise auf die Stärke und Gesundheit eines Mannes liefert. Unter den untersuchten Probandinnen, fanden sowohl alleinstehende als auch Frauen in Beziehungen, die einen Kinderwunsch hatten, Männer mit Bart attraktiver als Frauen, die keine Kinder wollten.

Clarkson und ihr Team zitierten zudem frühere Untersuchungen, die zeigten, dass bärtige Männer sich männlicher fühlen und einen höheren Testosteronspiegel im Blut besaßen, was mit einer höheren sozialen Dominanz verbunden war.

Doch nicht alle für die Studie befragten Frauen bevorzugten haarige Gesichter. Frauen, die bärtige Männer nicht mochten, befürchteten Parasiten im Bart oder der an Gesichtshaut. Für sie waren Bärte eng mit Sauberkeit verknüpft, und Barthaar wurde als Zeichen schlechter Körperpflege angesehen.

Wachsen lassen, oder nicht? Für den Bart gibt es genauso gute Argumente, wie gegen die Gesichtsbehaarung. Bei der Entscheidung spielen viele praktische Überlegungen eine Rolle. Insgesamt ist es aber eine gute Zeit, um Gesichtshaar zu tragen. Denn heute sind viele pogonophil und verbinden mit dem Bart eher Trend als Tradition.


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Darko Djurin (Der Philosoph) wurde am 04.05.1985 in Wien geboren. Er ist diplomierter Medienfachmann und Online Social Media Manager. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Musik Produktion, Visual Effects, Logo- & Webdesign, Portrait und Architekturfotografie und SEO – Suchmaschinenoptimierung. Seine Leidenschaft zum bloggen entdeckte er vor 12 Jahren. Der neue Mann ist nicht nur ein Projekt für ihn vielmehr sieht er es als seine Berufung seine Denkweise und Meinung auf diese Art kundzutun.

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